Geschichten

Till Eulenspiegel wandert über die Berge - Teil 2

Eine etwas andere Version der Wandergeschichte von Till Eulenspiegel habe ich bei www.eulenspigelnet.de entdeckt:

Till Eulenspiegel wandert über die Berge
"Alles geht besser, wenn man mehr geht", sagen die, die gern gehen, die zu Fuß große Reisen machen, über Berg und Tal und durch viele Linder. Einmal war Till mit einer Gruppe von Pilgern unterwegs. Sie waren auf der Reise nach Rom, um dort den Papst zu sehen und die berühmte Peterskirche. Als sie nun über die Alpen wanderten, geschah etwas Sonderbares. Immer, wenn es steil bergauf ging und alle schnauften und stöhnten und sich Schritt für Schritt abmühten, sprang Till singend und lachend die Anhöhe hinauf, als könnte ihm gar nichts Besseres geschehen. Wenn es aber bergab ging und alle leichten Schrittes abwärts liefen und sich vom Aufstieg erholten, schimpfte und stolperte Till mißmutig hintendrein, und dabei machte er ein Gesicht, als wäre ihm das Hinuntergehen die größte Qual. "Aber, Meister Till", sagte schließlich einer der Pilger, "ich verstehe Euch nicht. Bergauf, wo es am schwierigsten geht, seid Ihr vergnügt und gutgelaunt. Bergab aber, wenn es uns allen leichter fällt, seid Ihr mürrisch und verärgert. Wie kommt das?" "Das ist ganz einfach," sagte Till. "Gehe ich bergauf, dann freue ich mich schon auf die wunderbare Aussicht von oben und auf die kurze Rast. Außerdem sehe ich von oben, ob dies der letzte Berg auf unserem Weg ist, oder ob noch ein anderer kommt. Gehe ich aber den Berg hinunter, sehe ich nur das tiefe Tal, in das ich hinein muß und den nächsten Berg, der noch vor mir liegt. Wie sollte ich mich da freuen?" Sie wanderten noch viele Tage und Wochen. Unglücklich stapfte Till den einen Berg hinunter, und fröhlich lief er den anderen hinauf. Erst als Till von der letzten Anhöhe aus die Stadt Rom vor sich liegen sah, lief er jubelnd auch den Berg hinunter.
[eulenspigelnet.de]

Till Eulenspiegel wandert über die Berge

Zu meinen Lieblingshörspielen gehören von Kindheit an die lustigen Abenteuer von Till Eulenspiegel. Heute möchte ich eine kleine Episode zitieren (Till erzählt persönlich):

"Hör' jetzt endlich auf mit deinen dummen Streichen" sagte meine Mutter eines Tages zu mir, "geh' hinaus in die Welt und verdien' dir selbst dein Brot!". Das lies ich mir nicht zweimal sagen. Ich schnürrte mein Bündel und machte mich fröhlich singend auf den Weg.
Durch Wälder und Felder ging es, berauf und bergab. Manch lustigen Wandergesellen traf ich, dem ich mich für eine Strecke des Weges anschloss. Ging es einen besonders steilen Berg hinauf dann ächzten und stöhnten die Leute gar sehr. "Warum macht ihr eine so verdrießliche Miene?" fragte ich sie. Schauten sie mich dann verwundert an, weil ich es wagte eine so dumme Frage zu stellen, gab ich ihnen den guten Rat: "Seht mich an, geht es bergauf, dann freue ich mich und denke an den geruhsamen Abstieg, der mich nach der Mühsal erwartet. Erst beim hinabsteigen, was ja viel leichter fällt, schimpfe ich, dass es bald einen anderen Berg wieder hinaufgeht. So halte ich es immer: geht es mir einmal schlecht, dann lache ich und denke daran, dass nach jedem Regentag die Sonne wieder scheint."
[Die Grosse Märchenschau für kleine Leute 5 - Till Eulenspiegels lustige Streiche]

Till Eulenspiegel im Bienenkorb

Die 9. Historie sagt, wie Eulenspiegel in einen Bienenkorb kroch, zwei Diebe in der Nacht kamen und den Korb stehlen wollten und wie er es machte, daß die beiden sich rauften und den Bienenkorb fallen ließen.

Einmal begab es sich, daß Eulenspiegel mit seiner Mutter in ein Dorf zur Kirchweih ging. Und Eulenspiegel trank, bis er betrunken wurde. Da suchte er einen Ort, wo er friedlich schlafen könne und ihm niemand etwas täte. Hinten in einem Hof fand er einen Haufen Bienenkörbe, und dabei lagen viele Immenstöcke, die leer waren. Er kroch in einen leeren Korb, der am nächsten bei den Bienen lag, und gedachte, ein wenig zu schlafen. Und er schlief von Mittag bis gegen Mitternacht. Seine Mutter meinte, er sei wieder nach Hause gegangen, da sie ihn nirgends sehen konnte.

In derselben Nacht kamen zwei Diebe und wollten einen Bienenkorb stehlen. Und einer sprach zum anderen: »Ich habe immer gehört, der schwerste Immenkorb ist auch der beste.« Also hoben sie die Körbe und Stöcke einen nach dem anderen auf, und als sie zu dem Korb kamen, in dem Eulenspiegel lag, war das der schwerste. Da sagten sie: »Das ist der beste Irnmenstock«, nahmen ihn auf die Schultern und trugen ihn von dannen.

Indessen erwachte Eulenspiegel und hörte ihre Pläne. Es war ganz finster, so daß einer den anderen kaum sehen konnte. Da griff Eulenspiegel aus dem Korb dem Vorderen ins Haar und riß ihn kräftig daran. Der wurde zornig auf den Hinteren und meinte, dieser hätte ihn am Haar gezogen, und er begann, ihn zu beschimpfen. Der Hintermann aber sprach: »Träumst du, oder gehst du im Schlaf? Wie sollte ich dich an den Haaren rupfen? Ich kann doch kaum den Immenstock mit meinen Händen halten!« Eulenspiegel lachte und dachte: das Spiel will gut werden! Er wartete, bis sie eine weitere Ackerlänge gegangen waren. Dann riß er den Hinteren auch kräftig am Haar, so daß dieser sein Gesicht schmerzlich verziehen mußte. Der Hintermann wurde noch zorniger und sprach: »Ich gehe und trage, daß mir der Hals kracht, und du sagst, ich ziehe dich beim Haar! Du ziehst mich beim Haar, daß mir die Schwarte kracht!« Der Vordere sprach: »Du lügst dir selbst den Hals voll! Wie sollte ich dich beim Haar ziehen, ich kann doch kaum den Weg vor mir sehen! Auch weiß ich genau, daß du mich beim Haar gezogen hast!«

So gingen sie zankend mit dem Bienenkorb weiter und stritten miteinander. Nicht lange danach, als sie noch im größten Zanken waren, zog Eulenspiegel den Vorderen noch einmal am Haar, so daß sein Kopf gegen den Bienenkorb schlug. Da wurde der Mann so zornig, daß er den Immenstock fallen ließ und blindlings mit den Fäusten nach dem Kopf des Hintermannes schlug. Dieser ließ den Bienenkorb auch los und fiel dem Vorderen in die Haare. Sie taumelten übereinander, entfernten sich voneinander, und der eine wußte nicht, wo der andere blieb. Sie verloren sich zuletzt in der Finsternis und ließen den Immenstock liegen.

Nun lugte Eulenspiegel aus dem Korbe, und als er sah, daß es noch finster war, schlüpfte er wieder hinein und blieb darin liegen, bis es heller Tag war. Dann kroch er aus dem Bienenkorb und wußte nicht, wo er war. Er folgte einem Weg nach, kam zu einer Burg und verdingte sich dort als Hofjunge.

[Till Eulenspiegel bei Projekt Gutenberg]

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