Soziale Netzwerke sind (wieder einmal) in aller Munde. Die lokalen Medien berichten verstärkt über Facebook, Twitter und Co.
Ich habe den Eindruck kaum jemandem gelingt es, das Phänomen des sozialen netzwerkens sowie Web2.0 tatsächlich so zu erklären, dass sich ein Unwissender ein konkretes Bild davon machen kann. Dies liegt aber in der Natur der Sache. Die Nutzungsmöglichkeiten sind individuell stark abweichend, "das allgemeingültige Nutzungsprofil" gibt es nicht.
Auch ich mag "soziale Netzwerke" im Internet. Ich möchte sie an dieser Stelle nicht erklären, jedoch eine kleine Geschichte erzählen, welche ich faszinierend finde:
Vor einem halben Monat habe ich mir ein virtuelle Haustier bei einem Online-Dienst "erstellt". Meine Aufgabe als Tierhalter beschränkt sich darauf, mein Tier regelmäßig zu füttern und zu streicheln. Beides passiert mit ein paar Bildschirmclicks. Tue ich es nicht, wird es entweder verhungern oder es ist traurig. So weit, so langweilig. Bereits nach wenigen Minuten hatte ich die komplette Applikation ausprobiert und für wenig interessant befunden. Jedoch fiel es mir schwer mein Haustier, auch wenn es sich nicht echt ist und nur virtuelle existiert, einfach so verhungern zu lassen. Also fütterte ich es zwei, drei Tage lang weiter.
Ich bin allerdings nicht der einzige, der sich ein virtuelle Haustier hält - es gibt eine ganze virtuelle Haustierwelt. Weil ich grad nichts besseres zu tun hatte, habe ich auch fremde virtuelle Haustiere gestreichelt und gefüttert. Einfach so, ohne viel darüber nachzudenken. Der Effekt war, dass sich die Besitzer entweder mit Geschenken bedankt, oder im Gegenzug mein Haustier versorgt haben. Inzwischen ist es so, dass ich mich um meinen Teddy nicht mehr kümmern muss, jedesmal wenn ich mich einlogge ist er satt und wohl auf. Das soziale Netzwerk aller Haustierbesitzer kümmert sich um ihn. Dadurch habe ich freie Kapazitäten und überzähliges Futter und damit versorge ich meinerseits wieder andere Tiere oder verschenke "virtuelle" Geschenke (diese werden mit Futter bezahlt).
(Auch) DAS ist soziales netzwerken....
Was haben Sie am 7.7.2007 gemacht? Geheiratet oder auf einer Hochzeit eingeladen gewesen? Ein Konzert im Fernsehen gesehen? Damit begonnen, Ihren Verbrauch an irdischen Ressourcen zu überdenken und gegebenenfalls dauerhaft einzuschränken?
Jetzt aber zum eigendlichen Thema dieses Eintrages - das Geschäft mit der Moral. Adam Smith meinte zwar einst sinngemäß, es täte der Moral gut, wenn man sie zum Geschäft macht. A priori möchte ich aber keinen Versuch, die Welt besser zu machen, verurteilen. Was aber genau hat ein Mega-Musikevent mit Umweltschutz zu tun? Ich möchte Al Gore nicht die besten Absichten absprechen, aber irgendwie passt das alles trotzdem nicht zusammen.
Deshalb habe ich mir ein paar Fragen gestellt...
Ich hoffe, es kommt noch etwas echt Griffiges nach dem Event, sonst wird dieses ,,Jahrhundertkonzert" zu einer netten Anekdote in der Geschichte des Umweltschutzes.
Die Techniker Krankenkasse in Deutschland hat 100.000 Patienten zu ihrer Zufriedenheit nach Klinikaufenthalten befragt. Behandlungsergebnis, medizinische Versorgung und Unterbringung sind durchaus wichtige Kriterien für die Wahl einer Klinik für elektive Eingriffe oder Behandlungen. Auf der Website der TK können sich die Menschen nun vorab umfassend über die zu erwartenden Leistungen einer klinischen Einrichtung informieren, das finde ich toll.
Wo gibt es soetwas in Österreich? Hierzulande wehren sich die medizinischen Dienstleister noch gegen eine öffentliche Evaluierung, obwohl sich manche um eine Plakette der Joint Commission on Accreditation of Healthcare Organizations (JCAHO) bemühen. So sollen Sicherheit und Qualität medizinischer Leistungen erhöht werden. De facto ist diese Akkreditierung teuer, sie verunsichert die Mitarbeiter und bürdet ihnen einen gewaltigen zusätzlichen Dokumentationsaufwand auf. Wohler fühlt sich dann in erster Linie die Klinikleitung im fragwürdigen Gefühl, ein Top-Management zu leisten, sie fühlt sich wohl eher externen Kommissionen als dem eigenen Haus und den darin arbeitenden und zu pflegenden Menschen gegenüber verpflichtet.
Ich habe in dieses Thema einen gewissen Einblick, da ich voriges Jahr Software für ein Institut für Zufriedenheitsanalysen im medizinischen Sektor entwickelt habe. Durch ein Knopfloch des Mantels der Verschwiegenheitspflicht kann ich nur sagen, dass die Zufriedenheit von Patienten und Mitarbeitern sowie die Erfolgs- bzw. Versagerquoten medizinischen Handelns nicht ganz mit einer Akkreditierung korrelieren. Hier sind aber Angst, Prestige, Macht, Geld und Politik im Spiel, die wir als Ingredienzien des Wurstelns und Täuschens wider den guten Fortschritt kennen.
Offenheit wäre angesagt, denn nur die trägt die Bereitschaft in sich, etwas zum Positiven hin verändern zu wollen, und so auch zu können. Aber wer wird schon gerne kritisiert? Und die Patienten müssen ja trotzdem kommen...
Nun noch einmal zurück zum eingangs erwähnten Informationsdienst. Platz eins, bezogen auf die Patientenzufriedenheit, hält mit 89,4% das Gemeinschaftskrankenhaus Havelhöhe in Berlin. In dieser Klinik für anthroposophisch erweiterte Heilkunst habe ich vor einigen Jahren einige Zeit als Praktikant verbracht. Liebe Grüße und Gratulation!
Mit 84,2% liegt auch das Gemeinschaftskrankenhaus Herdecke im vorderen Feld.
Beim Durchforsten meiner Linksammlung habe ich zwei interessante Websites gefunden, die ich dem werten Leser vorstellen will.
Atlas of Poverty ist ein Projekt, dass die verschiedenen Aspekte und Umstände der Armut in der Welt in Landkarten darstellt. Der Atlas ist als 57-seitige PDF-Datei zum Herunterladen verfügbar.
Worldmapper gibt Weltkarten in einer besonderen Form heraus. Hier werden die Landflächen entsprechend dem jeweiligen statistischen Fokus verzerrt (vergrößert oder verkleinert) dargestellt. Leider gibt es (noch) keine Karten zur Anthroposophie (Mitglieder der AAG, Demeterhöfe, anthroposophische Ärzte, ...), aber es sind trotzdem spannende statistische Darstellungen verfügbar.
Da blättere ich in meinem Lieblingswirtschaftsmagazin brand eins und entdecke eine kleine Anzeige.
Vom 1. bis zum 3. Juni findet im Anthroposophischen Zentrum Kassel eine Tagung zum Thema ,,Bedingungsloses Grundeinkommen" statt. Für mich ist das die Gelegenheit ganz klar zu sagen:,, Ja, ich bin dafür, und wie!"
Laut dieser Anzeige treten brand eins und info3 als Medienpartner auf, auf deren Internetseiten kann ich aber leider keinen entsprechenden Hinweis finden. Von der Website des AZ Kassel kann aber der Folder zur Veranstaltung heruntergeladen werden.
[Die Tagung dient zum einen der grundlegenden Information über das Thema, zum anderen dem Austausch und der Gegenüberstellung verschiedener Denkansätze und Konzepte, was z.B. (steuerbasierte) Finanzierung sowie gesamtgesellschaftliche Einbindung sowie weitergehende Perspektiven eines Grundeinkommens oder Bürgergeldes betrifft. Entwürfe, wie sie mit dem Namen Althaus, Werner u.a. verbunden sind, werden zur Darstellung gelangen.]
Ich habe noch eine kleine Leseliste zum Thema zusammengestellt:
brand eins - 3/2005 - ,,Wir leben in paradiesischen Zuständen" (pdf)
info3 - Jänner 2006 - ,,Der Anstifter" (Linkliste an Ende des Artikels)
brand eins - 7/2005 - Schwerpunkt: Arbeit (Nie wieder Vollbeschäftigung!)
Gestern im Nachtfilm sagte der Held zur Schönen in einer äußerst bedrohlichen Situation: ,,There's no fucking way out!"
Normalerweise bersten in einer so spannenden Situation die Kartoffelchips in der Hand. Ich aber lachte laut auf, wegen folgender Geschichte im Hintergrund.
,,Sex ist nur ein Trost, wenn die Liebe nicht reicht." Diesen Satz hörte ich vor einiger Zeit im Radio. Ich dachte, die zitieren einen reaktionären Anthroposophen. Es war aber ein Bericht über Gabriel Garcia Márquez' Roman ,,Erinnerung an meine traurigen Huren".
Dieser Anstoss reichte aber, um mich wieder einmal über so manche anthroposophische Sekundärliteratur zu ärgern. Es gibt eine Reihe von AutorInnen, ohne Namen nennen zu wollen, die Ihre anachronistische Seelenverfassung zu Papier bringen, und sich dann hinter einzelnen Rudolf-Steiner-Zitaten verstecken, ohne den nötigen Überblick über die Primärliteratur zu haben. Da wird dann von Knabenunterhosen ohne Eingriff geträumt, oder von Kopfgeburten ohne koitaler Notwendigkeit. Ja, es gibt diese Ansagen von Rudolf Steiner, doch so benutzt gibt der/die VerfasserIn offen zu: ,,Die Teile halt ich in der Hand, allein, mir fehlt das geist‘ge Band." Diagnose: anthroposophische Dyspareunie. Anthroposophie ist zwar kein geschützter Begriff, jeder darf das Wort auf seine (Druck-)Fahne heften, der Hochqualitätsmarke Anthroposophie schadet das aber. Die Rezensenten solcher Werke fallen dann darauf herein, verwechseln ,,Anthroposoph" mit Anthroposophie, also persönliches Meinen und Dafürhalten mit Geisteswissenschaft, und kommen zum Schluss, Anthroposophie sei, gelinde gesagt, schon sehr eigenartig. Das ist sie auch, aber auf eine sympathische Art.
Fleisch essen statt Fleisch denken - Sex haben statt darüber zu grübeln
Im Jahr 2001 ging vom Verein für anthroposophisches Heilwesen, Österreich, eine Initiative aus, um all die Menschen, die in Österreich auf dem Gebiet der Anthroposophie tätig sind, zusammenzubringen. Wissen was die anderen machen, voneinander lernen oder einfach einmal ins Gespräch kommen war die Idee der ersten, vorbereitenden Treffen in Graz. Oft weiß zum Beispiel ein Heileurythmist gar nicht, dass Demeter anthroposophisch ist usw. Zeitenweise war es ziemlich schwierig, die Anthroposophen sind ja solche Individualisten! :)
Gemeinsame Wurzeln bedeuten oft gleiche Probleme, also warum nicht gemeinsam an Lösungen arbeiten?
Am kommenden Freitag und Samstag findet nun die 3. Strategiekonferenz, diesmal in Linz, statt. San und ich werden auch dabei sein, ich werde einen Workshop zur meditativen Praxis in Forschung und Beruf leiten.

Ergebnisse aus den vergangenen Jahren gibt es natürlich auch, ich zähle nur einige auf:
PrimaX hat zum Thema >Patente auf Lebewesen< bereits vor ein paar Tagen gebloggt, siehe "Schwein haben".
Um die Unzulänglichkeiten des derzeit geltenden Patenrechts und auch die Abstrusität mancher laufender Patentanträge aufzuzeigen, hat Greenpeace nun einen Patentantrag auf europäische Politiker gestellt.
Als ich heute in Klagenfurt in einer slowenischen Bank auf der Suche nach den neuen 2-Euro Gedenkmünzen (50 Jahre EU - vielleicht der letzte runde Geburtstag) auf deutsch und slowenisch war, wurde ich auf ein Projekt aufmerksam: BUHŠTABENZUPE von UNIKUM.
Zur Erklärung für unsere nichtösterreichischen Leser - der Ortstafelstreit:
Im Staatsvertrag von 1955(!) hat sich Österreich verpflichtet, unter bestimmten Bedingungen, zweisprachige Ortstafeln aufzustellen. Sie denken sich jetzt ,,na und, wo ist das Problem?". Das Problem ist in Kärnten. Dort hat man Angst vor den Slowenen und ihren inexistenten Gebietsansprüchen. Möglicherweise würden es solche Ortstafeln der slowenischen Armee erleichtern, ihre Enklaven in Kärnten zu finden und zu besetzen, ich weiß es ja auch nicht so genau. Wer noch tiefer gräbt findet eine Volksabstimmung nach dem Ersten Weltkrieg, bei der es um den Grenzverlauf zwischen dem SHS-Staat und Österreich ging, ein kärntner Trauma. Jedenfalls kommt das Bundesland Kärnten trotz verschiedenen Erkenntnissen des Verfassungsgerichtshofes seinen Verpflichtungen nicht nach. Der Landeshauptmann, ein rechtsrechter Populist, schafft es, mit den unterschiedlichsten Finten eine politische Tragikomödie zu inszenieren. Leider stehen genug geistig benachteiligte Wahlberechtigte hinter ihm, und um die bangend (viele schreiten ins happy Kamaloka, neue sollen verblendet werden) muss er die soziale Stimmung mit Haß und Resentiments anheizen und vorgaukeln, diese Sache wäre die Schlimmste und Gefährlichste für Kärnten. Sogar dem kärntner Heimatdienst, ein Verfechter und Verteidiger von kärntner Blut und Boden, ist diese Gebärde inzwischen zu blöd geworden.
Jedenfallst hat sich UNIKUM etwas wirklich lustiges einfallen lassen, und bietet den Angstvollen unter den Kärntnern eine Buchstabensuppe mit Zeichen aus dem slawischen Alphabet. So können die sich beim Über-die-Nudelsuppe-Schwimmen schon mal an den Anblick gewöhnen.
Ich bin übrigens in Kärnten geboren und aufgewachsen, das braun-blau-orange Elend graut mir also schon seit vielen Jahren haunah.
Für unsere slowenischen Leser:
Hvala lepa für den herrlichen Strankalansalat und die köstliche Mohnpotize.
Für alle:
Angst ist der Feind. Kennen lernen hilft. Selber denken auch.
... gibt euch der Doktor eine Spritze!
Sofort hören die beiden Kinder auf herumzutollen. Mit großen Augen sehen sie mich respektvoll an. Ich komme mir vor wie der Krampus.
Furcht und Angst sind natürlich die perfekten Hilfsmittel in der Kindeserziehung, wie jeder weiß. Damit hat man die lieben Kleinen schnell und gut im Griff, nebenbei kann man sich eventuell noch als Beschützer aufspielen. Konditionieren wir unsere Kinder rechtzeitig, sie werden es brauchen in einer Welt, die Panikmache zum Leitsatz erklärt hat.
Über mögliche Nebenwirkungen informiert Sie gesunder Menschenverstand.
Als gestern wieder einmal eine Zigarettenpackung versuchte, mich drastisch auf die Risiken des Rauchens und Passivrauchens hinzuweisen, sprach ich laut aus, was ich mir schon oft dachte: ,,Warum steht das nicht auch auf Flaschen alkoholischer Getränke, das wäre nur konsequent. Pseudogesundheitspolitik." Die Einsprüche folgten pompt: der Biertrinker gefährdet seine Umwelt nicht. Schließlich sprach ein lustiger Lungenprofessor aus Wien einmal sinngemäß: ,,Rauchern zu erlauben, an öffentlichen Orten zu rauchen, heißt, ihnen die Lizenz zum Töten zu geben."
Rauchen schädigt den Körper, Passivrauchen auch. Das sagt mir der gesunde Menschenverstand, dazu brauche ich keine Studien zu lesen. Aber nun zurück zum Thema, und zur These, Alkoholiker (10% der ÖsterreicherInnen!) oder Alkoholisierte gefährden ihre Umwelt nicht. Man sollte dazu einmal die geschundenen Familien von Alkoholikern befragen, oder ihre gefährdeten Arbeitskollegen. Im Straßenverkehr sind Alkoholisierte ja auch nahezu harmlos. Ganz zu schweigen von den alkoholinduzierten Raufereien und Unfällen. Leberzirrhose und alkoholische Enzephalopathie sind diagnostische Raritäten, ebenso selten wie sozialer Absturz und Frühpension. Mich selbst stören lästige oder aggressive Alkoholisierte in Gaststätten nicht weniger als der/die in mein Essen Paffende.
Ich habe mir da ein paar Sprüche für die Flaschen überlegt:
Der Genuß des Inhalts dieser Flasche...
...kann Sie Ihren Arbeitsplatz kosten.
...kann Ihrer Frau ein blaues Auge bescheren.
...kann einem Fußgänger das Leben kosten.
...kann Ihre aktive Lebenerwartung verkürzen.
...kann Ihrem Arbeitskollegen die Hand kosten.
...usw.
Ähnliches gilt auch für die Spielkasinos und Wettbüros, die in letzter Zeit auch in Graz vermehrt zu finden sind. Die Spielsucht ist stark im Ansteigen begriffen. Auch hier könnte man warnende Banner anbringen:
Hier kann der Einsatz Ihres Geldes...
...Sie in den Ruin treiben.
...Sie unter der Brücke schlafen lassen.
...Sie Ihre Familie kosten.
...Sie zum Räuber und Betrüger machen.
...usw.
Angst ist kein geeignetes Mittel um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Erziehung zur Mündigkeit - so hat Adorno eines seiner Bücher betitelt. Ein Mensch muss die nötigen Mittel in die Hand bekommen, das Leben eigenverantwortlich gestalten zu können. Dazu gehören auch Bildung und grundsichernde finanzielle Mittel. Zur Warnung könnte man auf das Bettchen jedes Neugeborenen den Schriftzug anbringen: ,, Die Frustration dieses nach Anerkennung, Sicherheit, Freiheit und Liebe Suchenden kann ihn zum Süchtigen machen."
Sibylle Hamann schreibt in einem Artikel auf dieStandard:
"Was ist das größte Problem für Frauen?", heißt es ständig. Die Antwort lautet: "Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie." Allein die Diagnose nervt, weil sie Kinder zur Frauensache macht.
Ich mag den dezent polemischen Stil von Frau Hamann, der auch immer wieder im Profil zu genießen ist. Und sie hat Recht. Nur zu ihrer Antithese in dem Artikel, man möge die Kinder zu einer Männersache machen, möchte ich etwas dazustellen.
Kinder sind keine Sache, keine Angelegenheit für Frauen oder Männer. Kinder und deren Wohlergehen sind wohl das Wichtigste, das es gibt. Kinder aufzuziehen, zu versorgen, ihnen Sicherheit und Zukunft zu bieten ist ein Aufgabe für alle Menschen. Ohne Kinder gibt es keine Zukunft, ohne glückliche Kinder keine glückliche Zukunft für die Menschheit. Was soll also dieses entweder oder, er oder sie.
Frau Hamann hat Recht mit der Forderung nach neuen Vätern weit über die Samen- und Geldspende hinaus. In meinem Umfeld sehe ich auch diese Väter spriessen wie meinen Bart vorm Vollmond. Dass Männer auch im 21. Jahrhundert immer noch mehr verdienen als Frauen hat sicherlich etwas mit dem Problem zu tun. Wenn es keine kompatiblen und ausreichenden Betreuungsplätze für die Kinder gibt und so nur ein Partner seinen Beruf ausüben kann, dann ist das logischerweise oft der, der mehr verdient. Das Thema mit der mangelhaften Gleichstellung von Mann und Frau ist ja auch so eines, das es mir schwer macht, die Tasten meiner schönen Apple-Tastatur nicht bis auf die Tischplatte durchzudrücken. Die Sozialpolitik krepiert und man diskutiert noch über die Kanüle für den venösen Zugang und schafft sich vorsorglich Geldsärge aus Stahl von EADS an. Nicht einmal die Medizinunis (freie Wissenschaft!) schaffen es, geschlechtsneutrale Aufnahmetests einzusetzen, oder stören sich die Herrn Professoren am Umstand, dass schon 2 von 3 TurnusärztInnen Frauen sind? Achja, dann müssen sich die Firmen ja auch noch vor den Gebährfähigen schützen...
Immer wieder nehme ich wahr, dass der Begriff Kind mit dem Begriff Problem kontaminiert wird. Problemkind, Scheidungskind, Schlüsselkind, verwahrlostes Kind, aggressives Kind, hyperaktives Kind, verhaltensgestörtes Kind, übergewichtiges Kind, Generation X, usw. Kinder lernen durch Nachahmung, in ihnen reflektiert sich also der Zustand unserer Gesellschaft.
Rudolf Steiner hat einmal vom Krieg gegen die Kinder gesprochen, und das ist sicherlich schon mindestends ein Scharmützel davon. Wir alle waren Kinder und wir werden wieder Kinder sein, vielleicht schon die unserer Urenkel. Niemand muss an Reinkarnation glauben, aber wenigstens einmal so zu tun, als ob es sie gäbe, wäre eine Erweiterung des Blickwinkels auf unsere Verantwortung für die Zukunft.
Am Rand unserer Gesellschaft marginalisiert sich der sogenannte "Abschaum", jene, die gemeint sind, kippen aus dem Strom der Konformität, der Leistungsbereiten. Und der Rest kann sich- zum Teil mit großem Aufwand - innerhalb des flow der Prosperität halten. Die Gestrandeten zehren dann von diesen die eigentliche Gesellschaft formierenden Anteil. Hinter den gesamten Sucht-/ Alkoholkranken, Obdachlosen, sonstigen Sozialhilfeempfängern verbergen sich nicht zuletzt auch viel persönlichkeitsgestörte Menschen. Für psychiatrische Laien mag dieser Begriff zu schwammig klingen, er besagt jedoch auf den Punkt gebracht, dass es sich dabei um Menschen handelt, die aufgrund unterschiedlicher Defizite in ihrer Persönlichkeit als gemeinsame Größe nicht-nachvollziehbare Gewissenlosigkeit oder Skrupellosigkeit an den Tag legen. Der Soziopath bzw. der Psychopath mag wohl jedem ein Begriff sein. Diese Menschen können ihre Würde schwer verlieren, da sie so etwas wie Würde nie empfunden haben. Das gilt freilich nicht für jeden der betroffenen Gesellschaftswracks. Tatsache ist jedoch, dass, welche Störung auch immer vorliegt, jene dem Gesundheitssystem insbesondere zur Last fallen. Und das Ausmaß dieser Schattenprobleme ist gewaltig. Denn, wo kommt der hin, der, der von Passanten in der Gosse liegend vorgefunden wird. Natürlich ins Krankenhaus. Und das nicht einmal, nein, immer wieder und immer wieder...
Bevor es jedoch bei den Abgehalfterten soweit kommt, dass sie in der sozialen Lähmung angelangt sind, werden noch etliche Mitmenschen in einen Strudel von Gewalt, Terror, finanziellen Ruin mithineingezogen.
Das Schlimme an der Situation ist, dass es keine andere Lösungen gibt. Jene, die sich anstrengen, sich für ein "menschliches" Leben bemühen, werden weiterhin dafür zahlen, dass dies andere nicht schaffen. Ein Umstand, der auch politisch ausreichend instrumentalisiert wird. Denn ein Ausschluß der nicht-autonomen Existenzen aus dem Solidaritätstopf würde unseren sozialen Frieden schwer beeinträchtigen. Nicht zuletzt verbietet uns die ethischen Dimension der Problematik den endgültigen Rausschmiss der Aussteiger aus der finanziellen und infrastrukturellen Unterstützung. Sei die eigene Anstrengung für die Solidarität auch noch so hoch und der eigene Lebensweg noch so hart!
Die karmische Dimension des Beschriebenen muss wohl auch komplex sein. Zu komplex, als dass ich es wagen würde, diese zu interpretieren.