Mir scheint, als würde die Politik in dem Maße sie sich ihrer Pflichten entledigt auch den Bürgern ihre Rechte beschneiden.
Was derzeit wieder in österreichs Innenpolitik los ist spottet zu einem großen Teil der Vernunft und Rechtschaffenheit. Im Detail möchte ich das gar nicht ausführen, aber würde ich so arbeiten, hätte ich keinen Job mehr. Ich zahle lieber Eintritt für ein gutes Kabarett, statt Steuer für diese Tragikomödie.
Als Netzarbeiter blieb meine Aufmerksamkeit natürlich am neuen Sicherheitspolizeigesetz hängen. Kragenechse. Dazu ein Linktipp zu einer gesellschaftlichen Installation, wenn auch nicht ganz nach meinem Geschmack: Platterwatch.
In meinem Eintrag "Vertrauenssache" thematisiere ich die Meinungsbildung durch Medien. Dazupassend soeben gefunden: Die Krone des Medizinjournalismus. [Stationäre Aufnahme]
Glauben Sie Ihrem Arzt? Oder eher der Nachbarin, oder vielleicht dem Wikipedia-Artikel? Wie schaut es mit der Wochenpostille aus, die Sie regelmässig lesen? (Oder gehören Sie sogar zu denen, die auch mal auf ihren Körper hören?)
Ein Medizinstudium im Hintergrund heißt nicht, dass man dir vertrauen entgegen bringt. Die Wochenzeitschrift liest man schon seit Jahren, die Rezepte daraus schmecken gut, auch das Horoskop stimmt manchmal, wieso also nicht der Gesundheitskolumne glauben?
Eine Patientin erklärt mir, sie wolle eine verschriebene Arznei nicht einnehmen. Nach Lektüre des Beipackzettels sei sie zu der Auffassung gekommen, das Mittel stelle bei ihrer Erkrankung sogar eine Gefahr für sie dar.
Ich lese schnell nach, lasse mir ihre Interpretation erklären und kann tatsächlich ein Missverständnis entdecken. Ich erkläre ihr ein paar physiologische und pathophysiologische Vorgänge und auch wie der Beipackzettel aufzufassen ist und wie das ganze mit ihr zusammenhängt. Das dauert kurze Zeit. Ich spüre Dankbarkeit für meine Mühe. Der Zweifel bleibt.
Die Beschwerden seien schon besser, der Schmerz ist auch schon weg. Sie habe ja immerhin brav die andere Arznei in Verwendung, diese würde schon reichen.
Ich lasse mich darauf ein. Wenn es auch so geht, warum nicht? Werfen Sie aber bitte das andere Medikament nicht weg, vielleicht brauchen wir es doch noch einmal.
Habe ich meine Glaubwürdigkeit untergraben? Hätte ich insistieren sollen? Als Jungarzt hat man wenig Erfahrung mit gewissen Mitteln, da wird man schnell unsicher. Wie viel davon überträgt man auf den Menschen, der einem gegenüber steht? Hmm
Eine Woche später: ein Besuch im selben Haushalt. Dabei erfahre ich, die Dame hat die Arznei nun doch eingenommen, weil in einem "Gesundheitsblatt" (Originalwortlaut), welches Sie von einer Freundin mit ähnlicher Erkrankung bekommen hat, habe sie Positives darüber gelesen. Das und meine "gute" Aufklärung hätten dann doch ihre Meinung geändert. Ich spüre mehr Vertrautheit zwischen uns. Ich freue mich.
Bin ich jetzt glaubwürdiger? Vielleicht.
Glück? Ja. Sie hätte auch etwas anderes lesen können. Oder gar nichts.
Kommunikationsmedien haben eine große Macht in der Meinungsbildung. Das kann für oder gegen einen gehen. Das gehört dazu. Wir wachsen mit ihnen auf. Wir kennen sie. Wir haben gelernt ihnen zu vertrauen.
Zwischen Menschen muß Vertrauen oft erst werden.
Vertrauen Sie jemandem den Sie noch nicht gut kennen (solange es auch anders geht)?
ps:
Es ist natürlich nicht nur einseitig. Auch Compliance ist Vertrauenssache!
Nachtrag:
Bild zum Thema ;-)