Passivsaufen

Als gestern wieder einmal eine Zigarettenpackung versuchte, mich drastisch auf die Risiken des Rauchens und Passivrauchens hinzuweisen, sprach ich laut aus, was ich mir schon oft dachte: ,,Warum steht das nicht auch auf Flaschen alkoholischer Getränke, das wäre nur konsequent. Pseudogesundheitspolitik." Die Einsprüche folgten pompt: der Biertrinker gefährdet seine Umwelt nicht. Schließlich sprach ein lustiger Lungenprofessor aus Wien einmal sinngemäß: ,,Rauchern zu erlauben, an öffentlichen Orten zu rauchen, heißt, ihnen die Lizenz zum Töten zu geben."
Rauchen schädigt den Körper, Passivrauchen auch. Das sagt mir der gesunde Menschenverstand, dazu brauche ich keine Studien zu lesen. Aber nun zurück zum Thema, und zur These, Alkoholiker (10% der ÖsterreicherInnen!) oder Alkoholisierte gefährden ihre Umwelt nicht. Man sollte dazu einmal die geschundenen Familien von Alkoholikern befragen, oder ihre gefährdeten Arbeitskollegen. Im Straßenverkehr sind Alkoholisierte ja auch nahezu harmlos. Ganz zu schweigen von den alkoholinduzierten Raufereien und Unfällen. Leberzirrhose und alkoholische Enzephalopathie sind diagnostische Raritäten, ebenso selten wie sozialer Absturz und Frühpension. Mich selbst stören lästige oder aggressive Alkoholisierte in Gaststätten nicht weniger als der/die in mein Essen Paffende.
Ich habe mir da ein paar Sprüche für die Flaschen überlegt:
Der Genuß des Inhalts dieser Flasche...
...kann Sie Ihren Arbeitsplatz kosten.
...kann Ihrer Frau ein blaues Auge bescheren.
...kann einem Fußgänger das Leben kosten.
...kann Ihre aktive Lebenerwartung verkürzen.
...kann Ihrem Arbeitskollegen die Hand kosten.
...usw.

Ähnliches gilt auch für die Spielkasinos und Wettbüros, die in letzter Zeit auch in Graz vermehrt zu finden sind. Die Spielsucht ist stark im Ansteigen begriffen. Auch hier könnte man warnende Banner anbringen:
Hier kann der Einsatz Ihres Geldes...
...Sie in den Ruin treiben.
...Sie unter der Brücke schlafen lassen.
...Sie Ihre Familie kosten.
...Sie zum Räuber und Betrüger machen.
...usw.

Angst ist kein geeignetes Mittel um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen. Erziehung zur Mündigkeit - so hat Adorno eines seiner Bücher betitelt. Ein Mensch muss die nötigen Mittel in die Hand bekommen, das Leben eigenverantwortlich gestalten zu können. Dazu gehören auch Bildung und grundsichernde finanzielle Mittel. Zur Warnung könnte man auf das Bettchen jedes Neugeborenen den Schriftzug anbringen: ,, Die Frustration dieses nach Anerkennung, Sicherheit, Freiheit und Liebe Suchenden kann ihn zum Süchtigen machen."