Ränder

Am Rand unserer Gesellschaft marginalisiert sich der sogenannte "Abschaum", jene, die gemeint sind, kippen aus dem Strom der Konformität, der Leistungsbereiten. Und der Rest kann sich- zum Teil mit großem Aufwand - innerhalb des flow der Prosperität halten. Die Gestrandeten zehren dann von diesen die eigentliche Gesellschaft formierenden Anteil. Hinter den gesamten Sucht-/ Alkoholkranken, Obdachlosen, sonstigen Sozialhilfeempfängern verbergen sich nicht zuletzt auch viel persönlichkeitsgestörte Menschen. Für psychiatrische Laien mag dieser Begriff zu schwammig klingen, er besagt jedoch auf den Punkt gebracht, dass es sich dabei um Menschen handelt, die aufgrund unterschiedlicher Defizite in ihrer Persönlichkeit als gemeinsame Größe nicht-nachvollziehbare Gewissenlosigkeit oder Skrupellosigkeit an den Tag legen. Der Soziopath bzw. der Psychopath mag wohl jedem ein Begriff sein. Diese Menschen können ihre Würde schwer verlieren, da sie so etwas wie Würde nie empfunden haben. Das gilt freilich nicht für jeden der betroffenen Gesellschaftswracks. Tatsache ist jedoch, dass, welche Störung auch immer vorliegt, jene dem Gesundheitssystem insbesondere zur Last fallen. Und das Ausmaß dieser Schattenprobleme ist gewaltig. Denn, wo kommt der hin, der, der von Passanten in der Gosse liegend vorgefunden wird. Natürlich ins Krankenhaus. Und das nicht einmal, nein, immer wieder und immer wieder...

Bevor es jedoch bei den Abgehalfterten soweit kommt, dass sie in der sozialen Lähmung angelangt sind, werden noch etliche Mitmenschen in einen Strudel von Gewalt, Terror, finanziellen Ruin mithineingezogen.

Das Schlimme an der Situation ist, dass es keine andere Lösungen gibt. Jene, die sich anstrengen, sich für ein "menschliches" Leben bemühen, werden weiterhin dafür zahlen, dass dies andere nicht schaffen. Ein Umstand, der auch politisch ausreichend instrumentalisiert wird. Denn ein Ausschluß der nicht-autonomen Existenzen aus dem Solidaritätstopf würde unseren sozialen Frieden schwer beeinträchtigen. Nicht zuletzt verbietet uns die ethischen Dimension der Problematik den endgültigen Rausschmiss der Aussteiger aus der finanziellen und infrastrukturellen Unterstützung. Sei die eigene Anstrengung für die Solidarität auch noch so hoch und der eigene Lebensweg noch so hart!

Die karmische Dimension des Beschriebenen muss wohl auch komplex sein. Zu komplex, als dass ich es wagen würde, diese zu interpretieren.