verdiente gerechtigkeit

wer im zuge der derzeit stattfindenden fussball-europameisterschaft dann und wann ein fussballspiel im tv ansieht, kommt ja fast nicht umhin sich mit der frage nach gerechtigkeit zu beschäftigen. allzu oft kommen, in bezugnahme auf den spielverlauf, die phrasen vom verdienten/unverdienten bzw. gerechten/ungerechten spielergebnis vor.

es reicht nicht aus, den spielregeln entsprechend und ohne zu schummeln ein endergebnis zu erreichen, nein, erst wenn ein team den persönlichen, subjektiven wertvorstellungen entsprechend agiert hat, empfindet der einzelne das ergebnis als gerecht/verdient (sofern dieses so ausgefallen wie gewünscht natürlich).

ich versuche diese “gefühlte gerechtigkeit” bei mir und anderen bewusst wahrzunehmen und staune immer wieder über die differenzen. und dann kommt sie, die frage: wie ist denn das eigentlich so mit der gerechtigkeit?

Zitronenmelissentee

Zitronenmelisse

Zitronenmelisse

Alle Jahre wieder freue ich mich auf die Zitronenmelisse in unserem Garten. Ich schätze den geschmackvollen Tee, welchen man mit dieser Pflanze brühen kann: Zuerst ein paar Blätter ernten, dann mit heißem Wasser übergießen und nach individuellem Geschmack ziehen lassen.

Vorratsdatenspeicherung vs Social Media

Die österreichische Ärztekammer distanziert sich offiziell von der Vorratsdatenspeicherung (finde ich ok, kann jeder selber auch machen). Arzt-Patienten-Kontakte sollen zum Schutz der Patienten nicht zu leicht nachvollziehbar sein argumentiert die ÖÄK:

Die Vorratsdatenspeicherung gefährdet das sensible Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient sowie das ärztliche Berufsgeheimnis", begründete Dorner seinen Schritt. Kommunikationsdaten zwischen Arzt und Patient, die auf elektronischer Basis erfasst werden, könnten einerseits zur Erstellung von Weg-Zeit-Profilen führen und andererseits Rückschlüsse auf Arztbesuche bzw. den Gesundheitszustand zulassen.

Dabei braucht es dafür nicht einmal eine Vorratsdatenspeicherung. Ich habe diese Problematik bereits in einem Blogpost behandelt, allerdings nicht in Zusammenhang mit der Vorratsdatenspeicherung, sondern in Verbindung mit Social Media: wir haben keinen Überblick und keine Krontrolle mehr über die von uns produzierten und gespeicherten Datensätze. Es genügt zum Beispiel schon der Besitz eines Smartphones oder ein fix verbautes Navigationssystem im Auto. Kommunikationsdaten, Personendaten, Ortsdaten und mehr werden so erfasst, gespeichert und weitergeleitet. Diese liegen dann bei Apple, BMW, Google und anderen Firmen und die weitere Verwendung entzieht sich unserer Kenntnis und Kontrolle.

Diese Realität ist den meisten bisher einfach nur noch nicht bewusst geworden. Im ersten Moment erschreckt man ob des gefühlten Kontrollverlustes, im zweiten Moment wird einem klar, dass es anders eigentlich nicht mehr geht, dass man sich daran gewöhnen wird müssen.

Eine Hausärztin/Hausarzt ohne Mobiltelefon – wären wir bereit den damit einhergehenden Kommunkationsrückschritt zu akzeptieren?

quote.fm

Seitdem es beim Google Reader nicht mehr die Möglichkeit gibt einen Artikel (mit)zu teilen fehlt es mir an einer Alternative. Jetzt teste ich einmal die embedding Funktion von quote.fm, hier ein paar kürzlich gelesene Artikel:

 

 

 

 

 

biene_wabe

Schnurrdiburr oder Die Bienen

Sei mir gegrüßt, du lieber Mai,
Mit Laub und Blüten mancherlei!
Seid mir gegrüßt, ihr lieben Bienen,
Vom Morgensonnenstrahl beschienen! …

[Wilhelm Busch, Schnurrdiburr oder Die Bienen]

"Schnurrdiburr oder Die Bienen" von Wilhelm Busch bei Projekt Gutenberg und/oder als gratis eBook für Amazon kindle.

Taten zu Daten – Kontrollverlust als Tatsache

In seinem blog ctrl+verlust beschäftigt sich Michael Seemann (@mspro) mit den Auswirkungen denen wir durch neue technologische Entwicklungen ausgesetzt sind. Vereinfacht dargestellt geht es darum, dass wir über die von uns existierenden Daten(sätze) und wozu sie verwendet werden können keine Kontrolle haben. Einerseits keine Kontrolle in der Gegenwart – ich weiß nicht was zum Beispiel Facebook heute mit meinen Daten macht, aber auch keine Kontrolle von einem zukünftigen Standpunkt aus gesehen – ich weiß nicht welche noch-zu-erfindenden technologischen Möglichkeiten in Zukunft meine Daten auf neue Art und Weise verarbeiten können. Er nennt dies Kontrollverlust. (-> Leseempfehlung: ctrl+verlust)

In einem Artikel zu einem seiner Vorträge (Kontrolle und Kontrollverlust) versucht @mspro den Kontrollverlust zu definieren:

Ein Kontrollverlust entsteht, wenn die Komplexität der Interaktion von Informationen die Vorstellungsfähigkeiten eines Subjektes übersteigt.” (Seemann 2011)

Ich möchte den Kontrollverlust gerne noch weiter fassen. Kontrollverlust entsteht nicht erst durch digitale Datenverarbeitung sondern wird durch diese besonders ins Bewusstsein gerückt. Gegeben hat es den Kontrollverlust seit je her, Kontrollverlust existiert. Der Knackpunkt liegt in der Tat und ihren Folgen an und für sich. Sobald ich eine Tat getan habe entziehen sich die daraus folgenden Ereignisse meiner Kontrolle. Die Tat ist in der Welt und ich habe die Kontrolle über die damit verknüpften Ereignisse verloren. Es gäbe nur einen Weg die Kontrolle zu behalten: Eine Tat gar nicht erst zu tun(*).

Ein Beispiel: Ich rette einen Ertrinkenden aus den Fluten eines Flusses. Aber über die Folgen meiner Tat, zum Beispiel wie der Gerettete sein Leben weiter führen wird, ob und wann er heiratet, ob er eigenen Kinder hat etc. etc. darüber habe ich keine Kontrolle. 

Heutzutage wird von einem großen Teil meiner Taten eine Dokumentation angelegt: "Taten werden zu Daten". Und auch was mit diesen Daten passiert entzieht sich meiner Kontrolle, allerdings ist es leichter zu beobachten und wird somit leichter bewusst. Daten sind die zu Ruhe gekommenen ("toten") Überreste einer einstmaligen Tat, eines stattgefundenen Prozesses. Deswegen kann ich Daten auch so schön in einem Archiv ("Friedhof") ablegen und auch leichter studieren und analysieren als laufende Prozesse. Nun entzieht sich einerseits das verarbeiten der gesammelten Datensätze meiner Kontrolle während diese Datenverarbeitung wiederum ein Daten produzierender Prozess ist, der sich auch meiner Kontrolle entzieht. Wahrscheinlich ist, dass ich früher oder später damit konfrontiert werde und sich heutzutage leichter ein gewisses Bewusstsein für den Kontrollverlust einstellt.

Bei seinem Versuch einer Definition beschränkt sich @mspro zu sehr nur auf den datenverarbeitenden Teil ("Interaktion von Informationen"). Eine umfassende Definition muss weiter gefasst werden. Kontrollverlust ist eine Tatsache. Eine Sache der Tat. Er entsteht nicht erst seit Erfindung des Computers oder Entwicklung von Datenbanken, sondern war auch schon vorher in der Welt. 

Definitionsversuch meinerseits: Der Kontrollverlust wird erlebt an der Unmöglichkeit, die Folgen seiner Taten zu kontrollieren.

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(*) In seinem Text "Das radikale Recht des Anderen" beschreibt @mspro dann auch dasjenige, was er als einzige "Sünde" gegenüber einer aus der Zukunft zurückschauenden datenverarbeitenden Entität versteht: die Unterlassung von Taten und damit Vermeidung von Daten.

A loss of control in modern medicine

I would not go as far as calling myself a digital native but still i do enjoy using technical gadgets and apps, surfing the web and participating in social media. I am on facebook and twitter, use other web2.0 services and also like to keep an eye open for the next big thing ;-)

As a doctor I'm really interested (1) in the change that new technologies will bring (2) or already have brought to my life and everyday job. Nowadays we use smartphones with medical apps (3), present ourselfes in blogs and communicate with collegues and sometimes patients over the net.

All this is quite new and especially if you are not one of this so-called "digital natives" it can also be a bit intimidating and confusing. What are the rules to play by in this new online world (4)? It's a little bit learning by doing and also looking at those who are already there to find out which way one can comfortably go.

My perception of the actual discussion on medicine and social media is that we're talking about only how to handle this new world of social media (5), for example what to do when a patient contacts you through their facebook-account or via twitter, to be careful when providing information about your work or even to completely abandon any patient-related talk on the internet. Of course also the question of how private one should be about themself (6) when posting to the web is talked about.

OK, been there, done that. This stuff is somehow still self controlled. It's up to me what I post to the internet. We all have to figure out how far we want to go, maybe with try and error, but in the end it's up to us.

I am interested in and have questions about the things that lie beyond our control.

It's a fact that by using modern technology one produces loads of data of which you have absolutely no control about, what's happening to it, who's saving and using it. Smartphones and apps track you down in a way like never before.

Let's take location-tracking as an example. Every mobile phone gets the provider data about your location. It depends how strict you want to set the boundaries of private medical information, but yet alone the tracked location of a doctor could be seen as something that should not be easily known and computer-processed by third parties for privacy reasons on behalf of the patients when their doctor visits them at their home.

Or take the recent incidents with Apps uploading data from a mobile phone without asking for permission (Instagram, Path…). I have no control over some of the data that is produced and revealed to third parties just by owning and using my phone. But i can't go without a mobile phone anymore nowadays…

This loss of control has to be discussed in the medical environment. In the end I think that we all as a society will have to get used to the challanging fact, that with modern technology we give up on certain aspects of our privacy inevitably.

 

links:

1) Embrace the explosion of the new technologies

2) Physicians, Risk and Opportunity in the Digital Age  (re2: How should physicians behave on social media? )

3) Small opportunities to use mobile technology in medicine

4) How to maintain physician professionalism in social media

5) How do We Define Professional Physician Behavior in Social Media?

6) Transparency defines social media success for doctors

 

The author of this blogpost, Dr.med. André Soral works as a general practitioner in Austria.

Einmal ist keinmal oder Mein digitales Leben

Dieser Artikel erschien erstmalig als unser Blog noch unter Drupal eingerichtet war. Ich habe kleinere Änderungen vorgenommen, grundsätzlich ist er gleich geblieben.

 

Einmal ist keinmal oder Mein digitales Leben

Ein Sprichwort aus dem Volksmund geht so: "Einmal ist keinmal.
Konsequent fortgesetzt würde dies bedeuten:

Einmal = keinmal.

Zweimal ist einmal mehr als einmal. 
Ich substituiere: Zweimal ist [keinmal] mehr als [keinmal].
Somit ergibt sich: Zweimal = keinmal.

Dreimal ist einmal mehr als zweimal. 
Dreimal = [keinmal] mehr als zweimal. 
Da zweimal = keinmal ergibt sich: Dreimal = keinmal.

usw……

Ok. Jeder weiß, wie das Sprichwort tatsächlich gemeint ist: Ich mache zum Beispiel eine Diät und darf kein Eis essen, irgendwann werde ich jedoch schwach und genehmige mir doch ein Vanilleeis. Es wird, im wahrsten Sinne des Wortes, nicht ins Gewicht fallen. Einmal ist keinmal, wie man halt so sagt.

Grundsätzlich aber besteht für jede Tätigkeit ein absoluter Unterschied, ob ich sie getan habe, und sei es auch nur ein einziges Mal in meinem Leben, oder ob ich sie nie getan bzw. unterlassen habe. Da gibt es nur Ja oder Nein. Keine Grauzonen, entweder, oder.

Etwas getan oder nicht getan zu haben bedeutet jeweils einen ganz besonderen Erfahrungsschatz für sich und eine Tat(sache) für die Welt, die nicht mehr auszulöschen sind. (Ich kann Dinge auch nur denken oder "halb" tun, hier lässt sich differenzieren, aber auch diese Dinge habe ich eben getan oder nicht …).

So gesehen bekommt das Leben einen digitalen Touch: 1 oder 0.